Hier eine Frage, die wir uns seit Kurzem öfter stellen: Welche Rolle haben Glück und Pech in unserem Leben gespielt?

Wir kamen darauf, weil wir ein Interview mit Jean-Rémy von Matt hörten. Viele bekannten Werbesprüche stammen von ihm («Geiz ist geil» zum Beispiel), aber in dem Interview – er sprach mit Barbara Bleisch in ihrem Podcast «Zimmer 42» – ging es nicht nur um Werbung, sondern um seinen Lebensweg. Und da sagte er den erstaunlichen Satz:

«Hinterher wird ja immer alles als grosser Plan und Strategie dargestellt. Aber wenn ich auf meine Karriere zurückschaue, dann wurde vieles durch glückliche Umstände und Zufälle begünstigt.»

Wenn uns etwas gelingt, führen wir es auf Weitsicht, Entschlossenheit und Können zurück. Den Zufall hingegen nennen wir nicht mal im Impressum. Dabei spielt Glück eine viel grössere Rolle, als man gern zugibt. Unsere grössten Erfolge verdanken wir weniger überdurchschnittlichem Fleiss oder aussergewöhnlichem Talent als günstigen Konstellationen und zufälligen Begegnungen.

Und doch reicht es nicht, Glück zu haben, man muss es auch bedienen. Etwas fällt einem zu, man greift es auf und wird vielleicht an einen Ort getragen, an den man selbst mit sorgfältigster Planung nie gelangt wäre. Man könnte sagen: Erfolg ist angewandtes Glück.

Das Gespräch mit von Matt ging aber noch weiter. «Möglicherweise habe ich auch oft Pech gehabt, was ich aber dann nicht wahrgenommen habe.»

Das hat uns sofort interessiert. Denn es ist natürlich viel darüber geschrieben worden, wie man das Glück findet. Aber wie kann man dem Pech aus dem Weg gehen? Oder ihm wenigstens weniger Aufmerksamkeit schenken?

Denn wäre es nicht etwas vom Grössten, nicht mit jeder Niederlage so schrecklich zu hadern, nicht jede Krise zum zentralen Bestandteil der persönlichen Biographie deuten? Natürlich sollte man nicht Dummheiten leugnen oder Missgriffe verdrängen. Wer jeden Fehler dreimal macht oder immer anderen schadet, muss damit aufhören.

Aber vielleicht ist es ein bisschen wohlfeil, aus allem eine Lehre ziehen zu wollen. Das Leben ist kein Linkedin-Post: Nicht jedes Scheitern enthält eine Botschaft, nicht jeder Rückschlag bringt uns weiter. Manches misslingt einfach. Vielleicht war die Welt noch nicht bereit, vielleicht war die Idee auch einfach nicht gut. Wer Scheitern immer als persönliches Feedback deutet, hadert am Ende mit Dingen, bei denen er einfach Pech hatte.

Vielleicht sollten wir Pech umdenken. Immer gewinnen ist doch langweilig. Aus allem etwas lernen wollen auch. Vielleicht geht es im Leben weniger darum, jede Niederlage auszuwerten und mehr darum, sie auch einfach auszuhalten. Nicht aus jedem Sturz eine Lektion zu pressen, sondern vielleicht auch einsehen: Das war jetzt Pech. Und dann weitermachen.